Brandschutz im Überwald: FFW Wald-Michelbach Wald-Michelbach im Herzen des Naturparks Bergstraße-Odenwald liegt am südlichsten Zipfel Hessens zwischen Rhein, Main und Neckar. Mit seiner 72km2 Fläche ist Wald-Michelbach die größte Gemeinde im Kreis Bergstraße. Wald bedeckt rund 2/3 der Gemarkungsfläche, was sich auch im Ortsnamen wieder spiegelt. Neben der Forstwirtschaft haben sich im Überwald auch der Einzelhandel und die Industrie angesiedelt, was an den vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz besondere Anforderungen stellt. Um den stetig steigenden Aufgaben im Brandschutz und der Technischen Hilfeleistung stand zuhalten wird der persönlichen Weiterbildung großes Interesse zuteil. Neben dem Besuch von Lehrgängen auf Kreis- und Landesebene wird der Standortausbildung in Wald-Michelbach große Aufmerksamkeit geschenkt. So finden regelmäßig Schulungsabende und Übungen statt, bei denen der Umgang mit technischem Gerät geübt und das erforderliche Fachwissen vermittelt wird. Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wald-Michelbach datiert auf den 25. August 1895. Doch wie aus alten Akten ersichtlich ist, ging ein mehr oder weniger organisiertes Löschwesen bereits auf das Jahr 1815 zurück. In den Aufschreibungen war vom Ankauf einer Feuerspritze die Rede. Im darauf folgenden Jahr wurde eine vierrädrige Druckspritze geliefert. Somit hatte die Wald-Michelbacher Feuerlöschtruppe eine jeder Zeit einsatzbereite Spritze. Sie musste deshalb im weiteren Umkreis bei Feuersbrünsten hilfreich eingreifen. Diese ersten Anzeichen einer organisierten Feuerlöschtruppe legten den späteren Grundstein zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wald-Michelbach. Schon ab 1890 wurden immer mehr Stimmen laut eine organisierte Feuerwehr aufzustellen, um den immer wiederkehrenden Feuersbrünsten kraftvoll entgegen zutreten. So kam es dann am 08. September 1895 zur Gründung der FFW Wald-Michelbach. An Rettungsgeräten waren unter anderem vorhanden: 2 Anstellleitern, 4 Stockleitern, 2 Dachleitern, 7 große und 5 kleine Feuerhaken, verschiedene Druckschläuche, 180 Feuereimer und die 1816 angeschaffte, vierrädrige Druckspritze. Als Gründungsmitglieder ließen sich 50 Mitbürger eintragen, die noch alle heute namentlich bekannt sind. Im Jahre 1897 erhielt die neugegründete Wehr eine vierrädrige Saug- und Druckspritze. Sie ersetzte die in die Jahre gekommene Druckspritze aus dem Jahre 1816. Diese Spritze war bis zur Anschaffung einer Motorspritze im Jahre 1934 das Kernstück der Wald-Michelbacher Brandschützer. Mit der neuen Motorspritze hielt auch die Technik im Überwald Einzug. War man nun in der Lage maschinell Wasser herbei zu schaffen und konnte somit auf die kräftezehrende Muskelarbeit verzichten. Bereits in den jungen Jahren des Wald-Michelbacher Löschwesens beging man 1911 zum ersten Male den Bezirksfeuerwehrtag. Im Jahre 1928 richtete man erneut den Feuerwehr Verbandstag aus. Während der Feierlichkeiten und unter reger Beteiligung befreundeter Wehren erfolgte die Einweihung des neuen Banners, das bis heute der Wehr bei geselligen aber auch bei Trauerfeiern voran steht. 1939 ergänzte das erste Feuerwehrfahrzeug, einen zum Mannschaftswagen umgebauten acht Zylinder Horch der Auto Union den Gerätepark. In der ersten Generalversammlung nach dem Kriege, am 18. Januar 1951, wurde die Feuerwehrkapelle ins Leben gerufen. Sie unterstützt die Wehr bei besonderen Anlässen und ist heute nicht mehr aus dem kulturellen Leben der Gemeinde Wald-Michelbach wegzudenken. Bei unzähligen öffentlichen Auftritten stellten die Musiker ihr Können unter Beweis und sind weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. 1954 erfolgte der Ankauf eines gebrauchten Löschgruppenfahrzeuges LF 15, das 1957 durch einen zum Mannschaftstransportwagen umgebauten Opel Blitz ergänzt wurde. Zu Beginn der 60er Jahre erfolgte die Gründung einer Wettkampfgruppe, die im Laufe der kommenden Jahre auf Kreis- und Landesebene beachtliche Erfolge erzielte. 1963 organisierte man zum dritten Male den Kreisfeuerwehrtag. Um den Brandschutz im Überwald zu verbessern wurde der Wehr ein Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 16/24 übergeben. Dieses TLF ersetzte das LF 15, welches ausgemustert wurde. Bereits zu Beginn der 60er Jahre kam der Gedanke auf eine Jugendabteilung zu Gründen. Am 09. März 1966 war es dann soweit: Die Jugendfeuerwehr Wald-Michelbach wurde gegründet. Auch heute noch, nach mehr als 30 Jahren, kommen immer wieder Nachwuchsfeuerwehrmänner und Frauen aus der Jugendwehr in die Einsatzabteilung und sorgen somit für einen gesunden Zuwachs in der Wehr. Ein besonderer Meilenstein in der Geschichte der Feuerwehr Wald-Michelbach war das Jahr 1970. Konnte man auf 75 Jahre ehrenamtlichen Dienst am Nächsten zurückblicken. Pünktlich zu den Feierlichkeiten wurde das neu errichtete Gerätehaus in der Pestalozzistraße fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben. Ebenfalls erfuhr die Wehr eine Aufwertung. Sie wurde Stützpunktwehr und ist bis heute überregional für den Bereich Überwald, Weschnitztal und dem hessischen Neckartal zuständig. Im Laufe der kommenden Jahre erhielt die Wehr eine immer besser werdende technische Ausstattung. So wurde 1970 eine Anhängeleiter AL 18, 1971 aus Landesbeschaffungen ein Schlauchwagen SW 1000 sowie ein Gerätewagen GW 1 übergeben. 1972 folgte ein Löschgruppenfahrzeug LF 8 und 1976 ein Gerätewagen-Nachschub GW-N. In den weiteren Jahren rundete ein Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 und ein Einsatzleitfahrzeug ELW 1 den Fahrzeugpark ab. Bei der am 10. Januar 1987 abgehaltenen Generalversammlung wurde einstimmig der Gründung einer Ehren- und Altersabteilung zugestimmt. Somit soll den aus dem aktiven Dienst ausgeschiedenen Kameraden auch weiterhin die Möglichkeit gegeben werden im Kreise der Feuerwehrfamilie zuweilen und an Veranstaltungen teilzunehmen. Um die Kameradschaft in den Ehren- und Altersabteilungen der Großgemeinde weiterhin zu festigen veranstalten die Wehren im Frühjahr einen Kräppelnachmittag, der mit zunehmender Beliebtheit angenommen wurde. Jährlich treffen sich die Alterskameraden um ein paar gesellige Stunden gemeinsam zu verbringen. Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte der Wald-Michelbacher Feuerwehr konnte 1995 gefeiert werden. Die Wehr beging ihr einhundert jähriges Wiegenfest. Als besonderes Geburtstagsgeschenk erhielt sie ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 16/12. Im darauf folgenden Jahr komplettierte ein Rüstwagen RW 1 den Fahrzeugbestand. Um den stetig steigenden Anforderungen im Bereich des Gefahrgutes gewachsen zu sein, gründete man zu Beginn des Jahres 1997 den Gefahrgutzug-Überwald. Diese Gruppe für Gefahrguteinsätze setzt sich aus Wehrleuten von Wald-Michelbach und den Ortsteilwehren zusammen. Sie erhalten eine Ausbildung die sich vom alltäglichen Feuerwehrdienst abhebt und sie speziell auf den Umgang mit gefährlichen Gütern und Stoffen vorbereitet. Die Mitglieder des Gefahrgutzuges-Überwald treffen sich regelmäßig um ihr Wissen bei Übungen und Schulungen zu erweitern. Denn nur ein gut ausgebildeter Feuerwehrmann, kann in extremen Einsatzsituationen optimale Leistungen erbringen um Menschen- oder Tierleben zu retten. Im Zuge des Aufbaues des Gefahrgutzuges wurde der vorhandene Gerätewagen zum Gerätewagen- Gefahrgut aus- und umgebaut. Somit steht der Gefahrgutgruppe ein Fahrzeug sowie das erforderliche Gerät zur Verfügung. Wald-Michelbach stand im Jahre 1997 erneut ganz im Zeichen der Feuerwehr. Vom 14. - 15. Juni fand der Kreisfeuerwehrtag zum vierten Male im Überwald statt. Wehren aus dem gesamten Kreis Bergstraße besuchten die Veranstaltungen der Wehr. 50 Jahre Feuerwehrkapelle hieß es im Mai des Jahres 2000. Zahlreiche Spielmanns- und Musikzüge bewiesen durch ihren Besuch die Verbundenheit zur Musik und zum Jubiläumsverein. Der Name „Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach“ ist weit über die Gemeindegrenzen hinaus ein Begriff für flotte und unterhaltsame Musik, was sich in zahlreichen Auftritten wiederspiegelt. Im weiteren Verlauf des Jahres forderte eine Serie von Brandstiftungen die Wehr. Unter anderen waren zwei Großbrände zu bewältigen, bei denen drei Lagerhallen sowie ein ehemaliges Fabrikationsgebäude ein Raub der Flammen wurde. Im Jahre 1975 legte man den Grundstein für eine partnerschaftliche Beziehung zu der Wehr aus dem französischen Montmirail. Diese Freundschaft hält nun seit mehr als 25 Jahren. So war es selbstverständlich, dass dieses Jubiläum gebührend gefeiert wurde. Festveranstaltungen fanden sowohl in Montmirail als auch in Wald-Michelbach statt. Den Ankauf eines Mannschaftstransportfahrzeuges im Laufe des Jahres 2000 vom Typ VW T4 finanzierte der Verein aus eigenen Mitteln. Weitere Brandstiftungen sorgten zu Beginn des Jahres 2002 für Beunruhigungen bei der Bevölkerung. Nur durch die rechtzeitige Erkennung und das rasche Eingreifen der Wehren der Großgemeinde Wald-Michelbach konnte größerer Schaden verhindert werden. Der 28. Juli 2002 wurde von den Wehrmitgliedern voller Ungeduld erwartet. Im Rahmen eines Tag der offenen Tür wurde der neue Schlauchwagen SW 2000 der Mannschaft übergeben. Dieses multifunktionale Fahrzeug ersetzt drei ältere Einsatzfahrzeuge. Auf Grund seiner technischen Ausstattung kann der SW 2000 für kleinere Hilfeleistungen, zur Brandbekämpfung, zur Wasserförderung oder für Nachschubzwecke eingesetzt werden. Der Katastrophenschutzzug beteiligte sich am 10. Mai 2003 an der Großübung „Hochwasser am Rhein“, die im Bereich Biblis und Nordheim durchgeführt wurde. Mit 27 Brandschützern unterstützte man die hiesigen Wehren bei der Hochwasserabwehr. Ein weiteres Highlight war der Hessentag in der Kreisstadt Heppenheim. Am 22. Juni 2004 spielte der Musikzug der FF Wald-Michelbach auf der „Straße der Feuerwehr“. Am 08. Mai 2004 trafen sich die Delegierten des Kreisfeuerwehrverbandes Bergstraße e.V. zu ihrer jährlichen Tagung in Wald-Michelbach. Am 21. und 22 Mai 2005 konnte man das 110- jährige Bestehen der Wehr feiern. Zu den Feierlichkeiten zählte der Bezirkswettkampf der Jugendfeuerwehren des Löschbezirks III, sowie ein Tag der offenen Tür mit Rahmenprogramm. Ein indisches Filmteam verwandelte am 17. November 2005 „die Gass“ in einen Hauch von Bollywood. Das Team drehte verschiedene Ausschnitte für einen Film. Die Feuerwehr unterstützte die Dreharbeiten, in dem sie „die Gass“ mit mehreren Flutlichtstrahlern ausleuchtete. Der 42. Kreisjugendfeuerwehrtag des Kreises Bergstraße wird in Verbindung mit dem 40jährigen Jubiläum der Jugendfeuerwehr am 20. und 21. Mai 2006 ausgerichtet. Auf Grund der rückläufigen Mitgliederzahlen in den Jugendfeuerwehren schließen sich die Jugendabteilungen aus Affolterbach, Aschbach und Wald-Michelbach im Jahre 2007 zusammen. Gemeinsam organisieren sie theoretische und praktische Übungen sowie Veranstaltungen. Vom 12. bis 14. Oktober 2007 lud die Feuerwehrkapelle zu einem Mehrtagesausflug in die Tschechische Republik nach Mistrien ein. Der Höhepunkt des Besuches war ein Konzertabend. Ein aus Landesmitteln beschafftes Gefahrstoffmeßfahrzeug wird dem Gefahrgutzug im Juni 2008 übergeben. Am 08. August 2008 schlug ein Blitz aus heiterem Himmel in das Sportplatzgelände ein. Mehrere Fußballspieler die zurzeit auf dem Platz trainierten wurden zum Teil erheblich verletzt. Ein Großaufgebot an Rettungsmittel war die Folge. In den folgenden Wochen wird das ungewöhnliche Ereignis immer wieder in den Medien aufgegriffen. Die Feuerwehrkapelle veranstaltete am 18. Oktober 2008 ein Konzert zu Ehren Hans Rückauers, der in diesem Jahr seinen 100ten Geburtstag hätte feiern können. Hans Rückauer leitete die Feuerwehrkapelle über mehrere Jahrzehnte und war weit über die Ortsgrenze hinaus für seine Kompositionen bekannt. Bei der Wiederbelebung der „Lärmfeuer“ im vorderen Odenwald am 04.April 2009 unterstützten die Wald-Michelbacher Brandschützer die Veranstaltung. Gruppenführerseminare, Fahr- und Maschinistenübungen bilden weitere Schwerpunkte im Ausbildungsprogramm der Stützpunktwehr. Neben der allgemeinen Feuerwehrarbeit werden auch Tätigkeiten im Bereich des Katastrophenschutzes wahrgenommen. Die Mitglieder erhalten ihre Aus- und Weiterbildung in Form von Theorie und Praxis am Stützpunkt in Wald-Michelbach. Besuche von Jubiläen und Festlichkeiten werden in Verbindung mit dem Musikzug der FFW wahr genommen um die Kameradschaft und Geselligkeit zu Pflegen. Zurzeit leisten bei der Freiwilligen Feuerwehr Wald-Michelbach 48 Wehrmänner und 6 Frauen aktiven Dienst in der Einsatzabteilung getreu dem Wahlspruch:
"Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" |